Gesundheitsförderung (Prävention) in der Kunsttherapie - Wirksamkeit nonverbaler Verfahren in der Stressreduktion (2020)

Im Rahmen des Universitätslehrgangs Kunsttherapie (ULG KT) werden zurzeit neue kreativitätsorientierte Präventionskurse entwickelt, die an der SFU Ambulanz angeboten und im Rahmen von Masterarbeiten evaluiert werden. Hier sollen dann neue durch die SFU entwickelte Präventionskurse zur Genehmigung bei der Deutschen Präventionsstelle vorlegen werden. Ein erstes Konzept befindet sich bereits in der Evaluationsphase und soll Ende 2020 zur Anerkennung eingereicht werden. Dieser Kurs richtet sich an Menschen, die Regeneration und Entspannung mittels kreativer Förderung suchen. Über die Dauer von acht Wochen können die Teilnehmer*innen zu vegetativ wirksamer Erholung gelangen. Psychophysische Spannungen können abgebaut werden und eine in den Alltag zu integrierende Entspannungsreaktion gefördert werden. Eine Lebensweise, in der Raum für sich selbst, Kontakt zu den eigenen Gefühlen und Gedanken erfahrbar wird, kann mit den Inhalten des Kurses stimuliert werden. Ruhe, Vertrauen und Akzeptanz bilden einen Rahmen für sinnlich lebendige Selbsterfahrung. Die Verbindung von Entspannungsübungen, kreativem Schaffen und reflektierendem Gruppengespräch über die Entstehung des Werkes, das Werk selbst und seiner Wirkung, stärkt den Selbstwert und die psychische Gesundheit. So kann das Wohlbefinden auch über die Dauer des Kurses hinaus gesteigert werden. Eine Entspannungsübung zu Beginn schafft sowohl Distanz zum Alltag als auch eine Fokussierung auf inneres Erleben.

In jeder Einheit werden zu unterschiedlichen Themen spielerisch kreative Lösungswege ausprobiert. Die Kreativität, die im kunsttherapeutischen Gestaltungsprozess mit allen Sinnen erfahrbar ist, trägt heilendes Potenzial in sich und führt zur Entspannung. Innerpsychisches Erleben kann gestalterisch ausgedrückt, wahrgenommen, reflektiert und in den Lebensalltag integriert werden. Die Reflexion von Bedürfnissen, eigenen Ressourcen und auch Schwierigkeiten vertieft sich. Leistungsfrei und ohne Wertung entstehen Handlungsoptionen, die ganz unterschiedliche Perspektiven für Entscheidungen und Strategien aufweisen können. Festgefahrene Bewertungsmuster, die zum Stresserleben beitragen, können besser erkannt werden und neuen Sichtweisen weichen. Dieses Erleben von Selbstwirksamkeit wirkt sich positiv im Lebensalltag aus. So können sich Stress erzeugende Anforderungen in zu bewältigende und damit stärkende Herausforderungen wandeln.

Die Auseinandersetzung mit der individuellen Persönlichkeit und ihre Entfaltung über die Selbstexploration im kreativen kunsttherapeutischen Prozess intensiviert sich im anschließenden Gruppenaustausch. In der Verbindung von Kreativität und Entspannung werden Ressourcen zur individuellen Stressbewältigung gestärkt. Sie vermittelt Lebensfreude und Wohlbefinden als Ausdruck seelischer Gesundheit. Der Kurs unterstützt die lohnenswerte und freudebringende Motivation, sich für die eigenen Ziele und Anforderungen aktiv zu engagieren. Eine Veröffentlichung erfolgt im Juli 2021 in der Zeitschrift Musik-Tanz & Kunsttherapie.

Projektleitung: Prof. Dr. Georg Franzen unter Mitarbeit von Silke König, MA, u.a. Absolvent*innen des Masterstudiengangs Kunsttherapie.

Verordnung von Kunsttherapie


Seit 2018 laufen die Vorbereitungen für ein Forschungsprojekt zur Verordnung von Kunsttherapie. Dieses Projekt wurde gemeinsam mit Versicherungsvertretern und Prof. Dr. Georg Franzen /Prof. Dr. Karl-Heinz Menzen im Oktober 2018 vorbesprochen. In diesem Projekt sollen über zwei Jahre Versicherte mit kunsttherapeutischen Methoden behandelt werden. Das Projekt soll durch die SFU evaluiert werden. Die Behandlungen sollen in der Ambulanz der SFU stattfinden. Das Pilotprojekt befindet sich noch im Antragsverfahren. Das Projekt soll 2021/2022 starten. Eine erste Begutachtung wurde im November 2019 durchgeführt. Es geht um ein kunsttherapeutisches Angebot mit folgenden Schwerpunkten:

  • Kunsttherapie (KT) mit demenziell Erkrankten orientiert sich nicht nur wie die Beschäftigungs-/ Ergotherapie an der Werkerfahrung der Männer oder an der hauswirtschaftlichen Erfahrung der Frauen. Sie sucht mit bildnerischen Mitteln den Orientierungs-, Sprach-, Bedeutungs- und Handlungszerfall, aber auch die visuell-emotionale Kompetenz der Betroffenen, neurologisch gesehen die Beschädigung und/oder Ausfälle von Verschaltungen der Nervenzellen von neokortikalen Gehirnarealen zu kompensieren, die offenbar nicht mehr so verfügbar sind, dass die Betroffenen ihren Alltag ohne Schwierigkeiten meistern können. Reize unserer Wahrnehmung auf der Grundlage einer zeitlichen Vorgegebenheit und Ordnung wieder in Zusammenhang zu setzen, sie so anzubieten, dass die Betroffenen die Elemente der Wahrnehmung wieder zu synthetisieren und zu synchronisieren in die Lage versetzt sind, – das ist das Ziel einer bildnerisch rekonstruktiven Kunsttherapie.
  • Ambulante Sozialpsychiatrische Versorgung: Im Rahmen der ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung von Kinder und Jugendlichen (Sozialpsychiatrie-Vereinbarungen) sind auch Tätigkeiten von Kunsttherapeut*innen möglich. Obwohl die Berufsgruppe in den Rahmenvereinbarungen nicht gesondert aufgeführt wird, haben Kunsttherapeut*innen, die einen sozialpsychiatrischen Schwerpunkt wählen, durchaus Perspektiven für eine Anstellung in einer ärztlichen Schwerpunktpraxis. Neben Anteilen der Therapieplanung nach der ärztlich psychiatrischen Diagnostik können Kunsttherapeut*innen an verschiedenen Aufgaben der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung beteiligt werden. Hier sollen im Verbund die kunsttherapeutischen Schwerpunkte in der ambulanten Praxis evaluiert werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Georg Franzen, Prof. Dr. Karl-Heinz Menzen

Literatur:

  • Karl-Heinz Menzen (2004) Kunsttherapie mit altersverwirrten Menschen. Basel: Reinhardt
  • Karl-Heinz Menzen (2018). Grundlagen der Kunsttherapie. Stuttgart: utb.
  • Franzen, G. (2011). Kunsttherapie im Rahmen der Sozialpsychiatrie-Vereinbarungen. In: Ruth Hampe/Peter B.
  • Stadler (Hg.). Multimodalität in den Künstlerischen Therapien. S.127.133.Berlin: Frank & Timme.

Kulturelle Teilhabe von psychisch kranken Menschen

Kooperationsprojekt zwischen dem Kunstmuseum Celle, dem Sozialpsychiatrischen Verbund und der SFU-Berlin

Das Projekt soll die Ergebnisse eines Museumsprojektes dokumentieren, welches 2019 und 2020 von Kunsttherapiestudierenden der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin in Kooperation mit dem Kunstmuseum Celle durchgeführt wurde. Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Seelische Gesundheit“ war der Eintritt ins Museum und die Teilnahme an den Aktionen und Workshops für alle Besucher*innen kostenlos. In der Vernetzung und Verzahnung von kunsttherapeutischen Ansätzen und museumspädagogischen Konzepten fungierte das Museum als Ort der Begegnung von Kunst und Seele.

Eines der Ziele war dabei die Förderung der Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen am kulturellen Erleben. Im Vordergrund stand allerdings für jede*n Museumsbesucher*in die Möglichkeit eine intensive Begegnung mit dem Kunstwerk über vertiefte sinnlich-symbolische Erfahrungen zu erleben. Eine symbolische Erfahrung ist mit psychischer Energie besetzt. Diese psychische Energie vermittelt sich durch das Kunstwerk. Der/ die Betrachter*in kann sich auf die Bilderwelten einlassen und einen energetisch besetzten Beziehungsraum erleben, der dann zugleich bewusste und unbewusste Prozesse auslösen oder in Gang setzen kann.

Erst ein wirkliches Einlassen auf das Kunstwerk bzw. den Kunstraum ermöglicht eine entsprechende Erfahrung. Hier werden die Teilnehmer*innen zunächst aufgefordert sich zu entspannen, anzukommen, um sich dann in Ruhe auf das Kunstwerk einzulassen. Aufgabe ist es, in das Kunstwerk einzutauchen und sich wirklich Zeit dafür zu nehmen.

Die Museumsbesucher*innen wurden dazu angeleitet, sich Zeit für ein Kunstobjekt zu nehmen, um in einen Dialog mit der Kunst zu gelangen. Hier standen dann Fragen zum Werk, Fragen zur Interaktion mit dem Werk bis hin zu Fragen zur eigenen Person und dem eigenen Leben sowie Fragen zur Werkerfahrung im Vordergrund. Der kunsttherapeutische Prozess beinhaltet Wege des Entdeckens, Gestaltens, Loslassens, Verwerfens, Annehmens, Bearbeitens und Veränderns. Über die gestaltete Materie wird Gewohntes hinterfragt, werden Bewegungen wahrgenommen, Zusammenhänge zum zurückliegenden Prozess erkannt und Verbindungen zur augenblicklichen Situation hergestellt. Starre und feste Formen sowie Fragmentierungen drücken sich im Prozess und in der Materie aus. Es entsteht ein Weg, die alte Form zu verändern und Neues zu entdecken und zu verwirklichen. Der kreative Prozess, der über das Malen und Gestalten im Außen stattfindet, ist Ausdruck und Spiegelbild der Innenwelt.

Im Vordergrund steht die Einfühlung in das Kunstwerk, eine wichtige Voraussetzung, um den „Sinn-Gehalt“ zu verstehen und etwas von der „Psychischen Energie“ des Kunstwerkes aufzunehmen:

  • Eigene Vorstellungen, Gefühle, Erinnerungen, Auffassungen, Meinungen und Phantasien aus der Vergangenheit als eigenen Persönlichkeitsanteil in Beziehung zum Kunstwerk zu erfahren und zu verstehen.
  • Etwas über den eigenen ästhetischen Standpunkt zu erfahren, um symbolisches Verstehen auch aus einer künstlerischen Sichtweise zu reflektieren.

Es gestaltet sich eine Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter*in, die ein Nacherleben des künstlerisch-symbolhaften Inhaltes ermöglicht:

  • Wie erlebe ich diese Bilderwelten?
  • Wie nehme ich diese sinnliche Erfahrung wahr?

In einem Kunstwerk sind tatsächlich alle Emotionserfahrungen angelegt – und es finden immer auch diejenigen von ihnen den Weg zum/ zur Betrachter*in, die ihm vielleicht am Fernsten liegen. Kunstwerke sind aufgrund ihrer Vielschichtigkeit in der Lage, eine reichhaltige Palette an Assoziationen und Reaktionen für Patient*innen zur Verfügung zu stellen.

Das gesamte Projekt wird derzeit evaluiert und die Ergebnisse werden 2021 veröffentlicht, es geht darum, die Möglichkeiten der rezeptiven Kunsttherapie im Museumsbereich auszuloten. Praxisprojekte werden vorgestellt und erörtert. Prozesse werden beschrieben, dokumentiert und reflektiert.

Das Projekt stellt einen innovativen praxisorientierten Ansatz der rezeptiven Kunsttherapie vor. Die hier vorgelegten Ergebnisse und die sich daraus ergebenen Fragestellungen können u.a. als Basis für innovative kunsttherapeutisch orientierte Museumskonzepte und ebenso für empirische Arbeiten dienen. Die Veröffentlichung wird 2021 als Buch herausgegeben von Georg Franzen/Julia Otto und im Pabst-Verlag unter dem Titel „Kunst trifft Seele. Rezeptive Kunsttherapie im Museum- Ergebnisse eines Museumsprojektes“ erscheinen.

Projektleitung: Prof. Dr. Georg Franzen, Dr. Julia Otto
Studentische Mitarbeiter*Innen: Naira Bloss, Drazana Knezevic, Nina Pestke, Ulla Utasch, Anika Wloch

Die Kreativität de* Therapeut*in - ein zentraler Wirkfaktor?

Dieses Projekt wurde mit einer ersten großen Kunsttherapietagung im November 2019 an der SFU-Berlin vorgestellt und findet in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Kunsttherapie (DGKT) und der Internationalen Gesellschaft für Kunst-und Gestaltungstherapie statt.

Referent*innen der ersten Tagung 2018 waren u.a. Prof. Dr. Louise Reddemann, Prof. Dr. Silke Schauder* (Paris) und Prof. Dr. Ruth Hampe* (Bremen). Projektleiter*innen Prof. Dr. Georg Franzen (SFU- Berlin), Prof. Dr. Ruth Hampe (Bremen), Prof. Dr. Renate Wigger* (Freiburg). Die zweite Tagung fand im November 2019 statt und wird im November 2020 an der SFU-Berlin fortgesetzt.

Zu den ersten Arbeitsergebnissen gehört die unter der Federführung der SFU erfolgte Gründung eines Forschungsverbundes Musik-Tanz & Kunsttherapie; die Geschäftsstelle wird an der SFU-Berlin am Department PTW/ULG KT angesiedelt. Hier haben sich mittlerweile 15 Hochschullehrer*innen von verschiedenen Hochschulen aus dem Bereich KT/PTW (Psychotherapiewissenschaft) mit der SFU vernetzt. Eine eigene Internetadresse befindet sich derzeit im Aufbau: www.mtk-forschungsverbund.de

Der Verbund wird Im Mai 2021 vorgestellt. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist gesichert und erfolgt im Band I. Herbst 2020, Verlag Karl Alber, https://www.herder.de
Band II, Dezember 2020 Pabst Verlag, Band III Frühjahr 2021 Verlag Karl Alber.

Literatur:

  • Franzen, G., Hampe, R., Wigger, M., et al. (2020). Zur Psychodynamik kreativen Gestaltens: Künstlerische Therapien in klinischen und psychosozialen Arbeitsfeldern. Freiburg: Karl Alber.
  • Franzen, G., Menzen, K.H. (2020). Unbewusste Bilder. Von Raum-Zeit-Relationen in den Künstlerischen Therapien. MTK 2/2020. Lengerich: Pabst.

Projektleitung: Prof. Dr. Georg Franzen, Prof. Dr. Karl-Heinz Menzen, Ass.-Prof. Dr. Kathy Reboly u.a.
Wiss.-Mitarbeiterin: Univ.-Ass. Alena Leukhardt, M.Sc.

Psychotherapie in Zeiten von Covid-19: Videobehandlungen in der psychodynamischen Psychotherapie

Im Zuge der Corona-Situation haben videobasierte Behandlungen eine Trendwende erfahren. Es ist davon auszugehen, dass der Settingwechsel von der traditionellen Behandlung auf das videobasierte Setting (und wieder zurück) einen Einfluss auf die therapeutische Beziehung und damit auf den therapeutischen Prozess hat (Eichenberg, 2020). Im Projekt Psychotherapie in Zeiten von Covid-19: Videobehandlungen in der psychodynamischen Psychotherapie soll untersucht werden, inwiefern sich der Wechsel von der traditionellen Behandlung zur Videotherapie im Zuge der Corona-Situation auf den therapeutischen Prozess auswirkt. Durch den Einsatz moderner Medien im therapeutischen Kontext ist die Gefahr, dass Grenzen überschritten werden
hoch (Eichenberg & Küsel, 2017). Mitunter aus diesem Grund ist eine systematische Untersuchung und Reflexion dieses therapeutischen Übergangs unerlässlich. Im Rahmen einer qualitativen Studie soll unter Einsatz gruppenspezifischer, semistrukturierter Interviews untersucht werden, wie Therapeut*innen und Patient*innen den Settingwechsel erleben und welcher Einfluss auf die therapeutische Beziehung von beiden Seiten beobachtet wird. Außerdem soll erhoben werden, welche Faktoren mit einer Nichtinanspruchnahme der Videotelefonie als Überbrückung der temporären Risikosituation, sowohl für Therapeut*innen, als auch für Patient*innen, in Zusammenhang stehen.

Im Rahmen einer Blitzumfrage (N = 4466) der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) im April dieses Jahres stellte sich heraus, dass die Mehrheit der befragten Therapeut*innen die Behandlung im persönlichen Kontakt aus therapeutischen Gründen vorzieht (78 %) und die Wirksamkeit der Videobehandlungen im Vergleich zum persönlichen Kontakt als schlechter einschätzt (59%). Entsprechend dieser Befragung werden mehr als die Hälfte der Patient*innen weiterhin im persönlichen Kontakt behandelt. Dennoch sprachen sich einige der Befragten eindeutig dafür aus, dass die Videobehandlung in der aktuellen Situation ermöglicht werden muss (DPtV, 2020). Vor allem im psychoanalytischen Fachkreis werden Argumente für und wider einer Videotherapie ambivalent diskutiert. Es ist es wichtig, psychodynamische Prozesse im Übergang von der traditionellen Behandlung zur Videotherapie sowie während der Videobehandlung systematisch zu untersuchen und abzubilden, um Indikationen und Kontraindikationen fundiert und differenziert diskutieren zu können (Eichenberg & Hübner, 2018).

Literatur:

  • Bering, R. & Eichenberg, C. (2020). Die Psyche in Zeiten der Corona-Krise. Herausforderungen und Lösungsansätze für Psychotherapeuten und soziale Helfer. Stuttgart: Klett-Cotta. Eichenberg, C. & Hübner, L. (2018). Psychoanalyse via Internet: Aktueller Stand der Diskussion um Möglichkeiten und Grenzen. Psychotherapeut, 63(4), 283–290.
  • Eichenberg, C., & Küsel, C. (2017). E-Mental Health: Potenzielle Grenzverletzungen. Deutsches Ärzteblatt, 12, S.590-592.
  • Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (2020, 01. September). DPtV Umfrage: Psychotherapeutische Videobehandlungen. Abgerufen am 07. September 2020, von https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Christiane Eichenberg, Dr. Alla Kirsha
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Alena Leukhardt, M.Sc., Maximilian Heider, M.Sc.
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Georg Franzen, Ass.-Prof. Dr. Katharina Reboly

Ethik in der Psychotherapie (Vergleichsstudie)

Für 2021 ist die Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsprojektes in Kooperation mit Prof. Dr. Steger, Universität Ulm, vorgesehen: ‚Ethik in der Psychotherapie‘ (Vergleichsstudie)

Forschungsfrage: Welche Werte haben Studierende der Psychotherapiewissenschaft in verschiedenen Ländern (Österreich, Deutschland, Slowenien, Frankreich, etc.)?

Datenerhebung: Fragebogen oder Interviews (10 min.)
Ziel: das zentrale Wertesystem der Fokusgruppe ‚Studierende‘ zu definieren

Die hochschuldidaktische Umsetzung der Deutschen Approbationsordnung im akademischen Direktstudium Psychotherapie

Der Bundesrat hat das Psychotherapiegesetz II endgültig beschlossen, das am 26. September 2019 im Deutschen Bundestag verabschiedet wurde. Vorgesehen ist, ab dem Wintersemester 2020/21 bundesweit die reformierte Ausbildung zum*zur Psychotherapeut*in im Rahmen einer einschlägigen Direktausbildung umzusetzen: die Ausbildung der Psychotherapeut*innen regelt sich sodann im Rahmen eines Direktstudiums der Psychotherapie, das mit der Approbation abschließt und an welches sich eine fünfjährige Weiterbildung in einer wissenschaftlich anerkannten Fachkunde („Richtlinienverfahren“) anschließt. Die künftigen Psychotherapeut*innen in Weiterbildung („PiWs“) erhalten eine angemessene Vergütung für ihre Tätigkeit. Mit Abschluss der Weiterbildung können Psychotherapeut*innen sich in das Arztregister der Kassenärztlichen Landesvereinigungen eintragen lassen und erwerben somit den Zugang für Tätigkeiten im Rahmen der gesetzlichen Regelversorgungssysteme. Der für Deutschland neue Ausbildungsweg, der als Modell für die europäische Psychotherapiedidaktik stehen kann, sieht ein fünfjähriges einschlägiges Hochschulstudium gem. der Bologna Kriterien vor, welches mit einer staatlichen Prüfung endet und zur Berufsberechtigung unter dem Titelschutz als „Psychotherapeut*in führt. Bislang mussten in Deutschland sog. Psychologische Psychotherapeut*innen ein Vollstudium der Psychologie absolvieren, seit September 2020 ist das Psychologiestudium keine Voraussetzung mehr für den Zugang zum Beruf als Psychotherapeut*in sein.

Die Entwicklungen der Psychotherapiereform in Deutschland stehen wegweisend, nachhaltig und paradigmatisch für die Entwicklungen des Faches zur eigenständigen akademischen Disziplin. Die Verankerung des Berufs des*r Psychotherapeut*in sichert so den eindeutigen Status als akademischen Heilberuf und führt zur Justierung und Ausdifferenzierung der Kompetenzbereiche. Als Folge werden die gängigen Paradigmata in Ausbildung, Lehre und Psychotherapieforschung neu überdacht, neue Wege werden beschritten, um den hohen Anforderungen der Profession gerecht zu werden. Die Psychotherapie kann nicht mehr als Appendix, Paradisziplin oder Subfach von ausschließlich Psychologie oder Medizin in den akademischen und professionellen Fächerkanon eingeordnet werden. Die Zeit ist reif, methodisch und inhaltlich die Kontur der Psychotherapie als Wissenschaft und Profession im Zusammenhang einer Psychotherapiewissenschaft im Einklang mit ihren Bezugswissenschaften zu definieren, um inhaltliche und strukturelle Aspekte einzubinden. So entwickeln Psychotherapeut*innen der kommenden Generationen eine berufliche Erstidentität im Sinne des „Scientific-Practioner-Modells“ und erzielen erweiterte Kompetenzen und Professionalisierung für die akademischen aber gleichzeitig ambulanten, stationären und präventiven Bereiche sowie Versorgungsstrukturen. Spezifiziert auf die Professionsentwicklung in Deutschland bedeutet dies einen historischen Meilenstein, die Etablierung der Direktausbildung bzw. des Direktstudiums Psychotherapie(wissenschaft) für die Bereiche der Berufsausübung, der Weiterbildung und der Akademisierung des Faches nachhaltig für die nächsten Generationen zu verankern. Somit steht Deutschland an der Spitze der internationalen Psychotherapieentwicklung.

Methodenvielfalt | Komplexe Herausforderung der Psychotherapiewissenschaft

Die Integration (angrenzender) Wissenschaften und des herrschenden Methodenpluralismus in der Psychotherapie sowie die gleichzeitig eigenständige und gerechtfertigte Positionierung gemäß ihres Wesens sind schlussendlich die komplexe Herausforderung an die postmoderne und zukunftsgerichtete Psychotherapiewissenschaft. Die spezifischen Wissenschafts-, Methoden-, Theorie- und Professionsverständnisse spiegeln einen Teil der Vielschichtigkeit und den dynamisch anhaltenden Diskurs der menschlichen Kultur- und Ideengeschichte wider.

Im Zuge dessen werden hochschuldidaktische Fragen an Universitäten und Ausbildungsinstituten immer virulenter: Wie lernt man Psychotherapie? Wie lehrt man Psychotherapie? Um ein Studium der Psychotherapie an Universitäten durchführen zu können, bedarf es innovativer Hochschuldidaktik und studierendenzentrierte Lehre, um eine curriculare Kohärenz im Dreiklang mit Theorie, Praxis und persönlicher Entwicklung, zu ermöglichen, wobei die Lehre die Zusammenschau zwischen wissenschaftlichen Theorien und Methoden und der Berufs- und Lebenspraxis verdeutlichen soll.

Projektleitung: Ass.-Prof. Dr. Katharina Reboly & Univ.-Prof. Dr. Georg Franzen

„How does talking cure? Wirkfaktoren des therapeutischen Miteinander Redens

Das von der Heigl-Stiftung geförderte Projekt „How does talking cure? Wirkfaktoren des therapeutischen Miteinander Redens“ wird an der Psychologischen Hochschule Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Antje Gumz in Kooperation mit der SFU (Prof. Franzen, Prof. Reboly) und verschiedenen weiteren kooperierenden Ausbildungsinstituten deutschlandweit durchgeführt.

In dem dreiphasigen Projekt  wird untersucht , über welche differentiellen Effekte das Miteinander-Reden zu therapeutischen Veränderungen führt. In zwei qualitativen Vorstudien (Phase I) wurden Psychotherapeut:innen und Patient:innen (VT, TP, AP) befragt, wie genau das Miteinander-Reden heilt, d.h., welche kurativen Funktionen sie erlebten. Es zeigte sich ein breites Spektrum relationaler, kognitiver, emotionaler und verhaltensbezogener Wirkfaktoren.

Aus den identifizierten Kategorien entstand anschließend ein Fragebogen – das Wirkfaktoren-Inventar des therapeutischen Miteinander-Redens (Phase II). 
Es soll untersuchen werden, wie diese Wirkfaktoren mit relevanten Prozessmerkmalen und dem Therapieergebnis in unterschiedlichen therapeutischen Verfahren und in Lehrtherapien zusammenhängen.

Digitale Medien in der Gesundheitsprävention

Mit September 2020 kommen kostenerstattungsfähige und verordnungsfähige Apps, auch in Form von Podcast-Formaten zur Prävention, aber auch Behandlung und Therapie psychischer Störungen auf den Markt. Neue technische Möglichkeiten im Zuge der digitalen Wende haben den Gesundheitssektor erreicht. Die Entwicklung einer Zusammenschau und -führung von digitaler Machbarkeit, psychotherapeutisch-klinischer Implikationen, (datenschutz)rechtlicher Bedingungen, gesundheitspolitischer und ökonomischer Interessen sowie ethischer Blickwinkel nehmen an Bedeutung zu. Welche Regelwerke und Zertifizierungen sind zu definieren, um den Nutzen der Entwicklung eines solchen Formats, als additives Versorgungsangebots in Zeiten von Corona zu ermöglichen? 

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Georg Franzen & Ass.-Prof. Dr. Katharina Reboly in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien & Digitaljournalismus @SFU Berlin

Gender Study Group der SFU Wien

Alle laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekte der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft finden Sie in der SFU Forschungsprojektdatenbank.