Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in (VT)

Ausbildung in Verhaltenstherapie

Die Ausbildung vermittelt den Ausbildungsteilnehmer*innen insbesondere die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erforderlich sind, um in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist, und bei der Therapie psychischer Ursachen, Begleiterscheinungen und Folgen von körperlichen Erkrankungen unter Berücksichtigung der ärztlich erhobenen Befunde zum körperlichen Status und der sozialen Lage des Patienten auf den wissenschaftlichen, geistigen und ethischen Grundlagen der Psychotherapie eigenverantwortlich und selbständig handeln zu können.

Ein* Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in (abgekürzt „KJP“) diagnostiziert und behandelt psychische Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden bis zum vollendeten 21. Lebensjahr. Erwachsene fallen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich. Eine zentrale Aufgabe von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen besteht in der Behandlung seelisch erkrankter oder seelisch bedingt körperlich kranker Kinder und Jugendlichen durch Psychotherapie sowie der begleitenden Psychotherapie der Beziehungspersonen. 

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Verhaltensweisen (dazu gehören Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen und motorisches Verhalten) im Laufe der Lebensgeschichte in der Interaktion zwischen Individuum und Umwelt erlernt werden. Bestimmte Verhaltensmuster bilden sich aus. Diese Verhaltensmuster können als hilfreich/ funktional oder als nicht hilfreich/ dysfunktional erlebt werden. Menschen sind aufgrund ihrer genetischen, ihrer körperlichen und der sozialen Ausstattung unterschiedlich anfällig für das Ausbilden einer psychischen Erkrankung. Stressfaktoren (z.B. Wechsel in eine weiterführende Schule, Trennung der Eltern) können vor diesem Hintergrund eine psychische Störung auslösen. Andere Faktoren, so genannte Schutzfaktoren (auch protektive Faktoren z.B. gute kognitive Leistungsfähigkeit, unterstützendes soziales Umfeld, gute Problemlösefertigkeiten), können Menschen auch widerstandsfähig machen und die Auftretenswahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen reduzieren.  

In der Verhaltenstherapie wird zunächst ein individuelles Erklärungs- und Aufrechterhaltungsmodell für die psychische Erkrankung erarbeitet, die Patienten werden über die psychische Erkrankung informiert (Psychoedukation), Ziele für die Behandlung werden abgeleitet. Hierbei wird das gesamte Bezugssystem berücksichtigt (z.B. Welchen Einfluss hat das Verhalten der Mutter/ des Vaters/ der Lehrkräfte auf die Entstehung und Aufrechterhaltung der Problematik des Kindes? Welche Ziele für Veränderungen können für die Mutter/ den Vater/ die Lehrkraft festgelegt werden, die eine erwünschte Veränderung des Kindes/ des Jugendlichen unterstützen?). In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden diese Schritte mit den Bezugspersonen und entwicklungsentsprechend mit dem Kind/ dem Jugendlichen durchlaufen. Jüngeren Kindern wird z.B. anhand von Bilderbüchern Informationen über ein Krankheitsbild und wirkungsvolle Interventionen vermittelt. Beim Festlegen eines Erklärungs- und Aufrechterhaltungsmodells und der Therapieziele verhält sich der Therapeut deutlich direktiver als er dies mit Erwachsenen tun würde, da Kinder und teilweise auch Jugendliche hierzu nur eingeschränkt in der Lage sind. Den Therapiezielen werden dann – in Abhängigkeit vom Störungsbild und den Ressourcen des Kindes/ des Jugendlichen – spezifische Interventionen zugeordnet. Grundsätzlich geht es in der Verhaltenstherapie darum, dass dem Patient/ den Bezugspersonen dysfunktionale Verhaltens- und Interaktionsmuster bewusst werden, sie deren Entstehung und Funktion verstehen und diese durch funktionalere Verhaltens- und Interaktionsmuster ersetzen. Verhaltensweisen (Fertigkeiten, funktionale Gedanken, funktionale Gefühle, funktionale Körperreaktionen) werden praktisch eingeübt und im Alltag erprobt.  

In der Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen kann auf zahlreiche evaluierte Behandlungsmanuale zurückgegriffen werden, die entweder störungs- (z.B. Behandlung von Depressionen, von Ängsten) oder fertigkeitenorientiert (z.B. Training selbstsicheren Verhaltens) sind. In der Arbeit von Kindern und Jugendlichen kommen kreative Methoden, Arbeitsblätter, Bilderbücher, Verhaltensexperimente, Rollenspiele zum Einsatz.